Österreichisch-Ungarisches Steppenrind

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Österreichisch-Ungarisches Steppenrind
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Inhaltsverzeichnis

[bearbeiten] Rassestandard

Das Ungarische Steppenrind ist schlank, großrahmig und hochbeinig. Es ist robust, anspruchslos, leichtgebärend und langlebig. Die meist genau nach oben weisenden Hörner sind lang, gebogen und ausladend. Ochsen können bis zu 80 cm lange Hörner haben, die somit ein sehr rassespezifisches Merkmal darstellen.


Die Färbung der Tiere ist durchaus speziell und ändert sich mit der Anzahl der Lebensjahre. Die Kälber sind nach der Geburt rötlich-gelb mit verschiedenen Schattierungsgraden von hell bis dunkel. Im Alter von zwei bis drei Monaten hellt sich das Fell auf und beginnt grau zu werden. Erst mit dem vierten bis sechsten Monat sind die Tiere vollständig grau. Bei ausgewachsenen Graurindern kommen verschiedene Abstufungen von silberweiß bis aschgrau vor. Die männlichen Tiere sind bis etwa vier Jahre eher rußfraben: der Hals, der untere Teil der Unterschenkel, ein Teil der Brust, der Schulterbereich, der Brustkorb sowie die Seite und Unterseite des Bauchs werden dunkler. Eine sehr ins Schwarze gehende Färbung ist bei Züchtern nicht beliebt, stellt aber keinen Mangel dar. Um die Augen herum weisen die männlichen Tiere einen dunklen Ring auf, der als „Ókula” (Okular) bezeichnet wird. Die Fellfarbe kann sich aber auch mit der Jahreszeit ändern. Im Winter sind die Tiere dunkler und das Fell enthält mehr rötlich schattierte Haare. Das schützende äußere Fell ist im Sommer kurz, dick und gerade, im Winter jedoch verdichtet und lang. Nach dem Fellwechsel im Frühling ist die Farbe am schönsten.

An der Wurzel des Horns bilden die längeren Haare der Kühe einen Haarkranz während diese bei den Stieren gelockt sind. Die Wimpern sowie die Fortsätze an den Ohren und die Schwanzquaste sind schwarz. Die Haut ist schiefergrau, nur zwischen den Oberschenkeln, am Euter und an den Ohren ist sie rosa. Die Gaumenfarbe kann entweder rosa oder schiefergrau und fleckig sein.

[bearbeiten] Verbreitung

Diese alte Haustierrasse hat im heutigen Burgenland eine lange Tradition, vor allem als Arbeitstier auf den Gutshöfen. In der Mexiko-Puszta (heute Fertöújlak, direkt auf der anderen Seite der Staatsgrenze) im Nationalpark Neusiedlersee-Seewinkel stand eine große Zuchtherde der Domäne Eszterházy, von der aus auch andere Höfe mit Zugochsen versorgt wurden. Heute ist im Nationalpark mit etwa 300 Stück sicherlich die bedeutendste Herde Österreichs zu finden.

[bearbeiten] Zuchtgeschichte

Das ungarische Steppenrind kam wahrscheinlich im 9. Jahrhundert mit der Einwanderung der Ungarn aus deren vorheriger Heimat im Osten ins Ungarische Tiefland. In der frühen Neuzeit war es vor allem wegen seines Fleisches geschätzt, im 19. Jahrhundert machte es dann als Arbeitstier Karriere - auch in Österreich. Vor hundert Jahren kam es dann außer Mode und der Bestand nahm rapide ab.

Das ungarische Steppenrind war nicht nur ein zuverlässiges Zugtier, seine Milch und sein Fleisch waren wichtige Nahrungsmittel und sein Fell schützte die Hirten im ganzen Jahr vor Regen, Sonnenschein und Schnee. Handwerker lebten von der Verarbeitung seiner Produkte. Auch das Horn wurde genutzt, man machte daraus Blashörner, Büchsen für Salz, Paprika und Salben.

[bearbeiten] Ähnliche Rassen

Bei der Auslese der Zuchttiere gelten Individuen mit schiefergrauem Gaumen als vorteilhaft. Die andere Gaumenfarbe, bzw. die schärzere Rußfarbe bei Stieren ist auf den Einfluss anderer, z.B. maremmanischer Rassen zurückzuführen und wird deshalb von Züchtern gemieden. Auf diese Weise streben sie die Erhaltung der einheitlichen Merkmale des Ungarischen Steppenrindes an.


Es gibt viele verwandte Rassen, von denen Folgende die Nahestehendsten sind: • „Maremmanische Rasse“: Diese mittelitalienische Rasse ist von höherem Widerrist und ähnelt dem Graurind in der Farbe, ist jedoch etwas dunkler gefärbt. Zwischen den beiden Weltkriegen und in den 1979er Jahren wurden die Tiere zur Auffrischung des Bestandes benutzt. Heute werden diese Nachkommen stufenweise ausgemustert. • „Siebenbürgener Steppenrind:“ Diese gedrungene und füllige Rasse wurde im Lauf der Zeit oft mit dem Ungarischen Graurind gekreuzt. Um das Jahr 1800 herum beschäftigten sich Züchter mit dieser Rasse und selektierten im Interesse der Fleischproduktion. Einige legten jedoch auch Wert auf die Milchleistung, was sich im Ergebnis der Züchtung niederschlägt. In den 1950er Jahren wurde keine selbstständige Züchtung mehr betrieben und die Rasse verschwand Mitte der 1960er Jahre. • „Ukrainisches Steppenrind:“ Das Ukrainische Graurind hat kürzere Hörner als das Ungarische Steppenrind, weist aber dieselbe Färbung auf. Die äußerliche Erscheinung ist aber nicht sehr homogen. Einigen Untersuchungen zu Folge hat die Rasse ein gutes Potential als Milchproduzent, dies ist jedoch in rauhen Umweltbedingungen nicht realisierbar. Es gibt nur noch wenige Exemplare dieser Rasse in nur einer einzigen Zucht.

[bearbeiten] Förderungen

Die Rasse wird nicht im ÖPUL 2007 des Agrarumweltprogramms gefördert.

[bearbeiten] Leistungsdaten

Die Widerristhöhe beträgt beim Bullen 145 bis 155 cm, bei der Kuh 135 bis 140, das Gewicht beim Bullen 800 bis 960 kg, bei der Kuh 500 bis 600 kg.

[bearbeiten] Wirtschaftlichkeit/Vermarktung

Durch langsameres Wachstum haben die Tiere massiveres und gehaltvolleres Fleisch als andere Rinder. Sie erlangen die Schlachtreife im Alter von 3 bis 3,5 Jahren, während dies bei Tieren mit intensiver Mästung schon nach 16 bis 18 Monaten erreicht wird.


[bearbeiten] Eignung und Haltung

Die Rinder sind an die Hitze des pannonischen Sommers, die geländemäßigen Gegebenheiten der Steppenlandschaft und an die Futterverhältnisse hervorragend angepasst und liefern mit hochwertigem Fleisch ein regionaltypisches Produkt.

[bearbeiten] Projekte

Seit Gründung des grenzüberschreitenden Nationalparks Neusiedler See – Seewinkel 1993 ist die Wiedereinführung der Beweidung eines der wichtigsten Instrumente des Flächenmanagements. In der Bewahrungszone Sandeck-Neudegg, die direkt an die Naturzone des Nationalparks anschließt, hatte sich durch die Nichtnutzung landseitig der Schilfgürtel ausgebreitet. In diesem Gebiet südlich von Apetlon und Illmitz weidet seit 1995 das Graue Steppenrind wieder. Eine Herde von etwa 500 Stück, hält nach den Vorgaben der biologischen Landwirtschaft, das landseitige Schilfwachstum hintan. So konnte ein verschilftes, mit Ölweiden bewachsenes, Ödland wieder in eine Pusztalandschaft umgewandelt werden. Die Steppenrinder lassen fast keine Sträucher oder Bäume aufkommen und gestalten so einen der artenreichsten Lebensräume Europas. Rechnet man noch die Landschaftspflege durch die Gewinnung des benötigten Winterheus dazu, stellt dieses Modell einen wichtigen Bestandteil in der gesamten Landschaftserhaltung im Nationalpark dar.

Fleisch vom Grauen Steppenrind wird als spezielles hochwertiges Produkt der Nationalparkregion geliefert. Die GENUSS REGION "Nationalpark Neusiedlersee-Seewinkel Steppenrind" wurde im Jahr 2006 in den Genusskatalog aufgenommen.


[bearbeiten] Weblinks

http://www.genuss-region.at/article/archive/14448 http://www.nationalparks.or.at/article/articleview/35962/1/11772 http://www.das-ungarische-steppenrind.de http://www.traditionelle-lebensmittel.at/article/articleview/73273/1/26091/ http://de.wikipedia.org/wiki/Ungarisches_Steppenrind

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