Altösterreichisches Warmblut

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Altösterreichisches Warmblut
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Inhaltsverzeichnis

[bearbeiten] Rassestandard

Bild:Przedswit Mira.jpgPrzedswit Mira aus eigener Zucht (4 Jahrig bei der HLP Stadl Paura unter Joachim Grill)

Definition der Rasse Altösterreichisches Warmblut (Radautzer)

A) Rassenentstehung: Das altösterreichische Warmblut besteht aus den im k. und k. Staatsgestüt Radautz und Nachfolgegestüten gezüchteten Halbblutstämmen (Furioso-Przedswit- Nonius-Gidran-Shagya). Anteilsmäßig überwiegen die englischen Halbblutstämme (Furioso-Przedswit), in die punktuell immer wieder Noniusblut zur Verstärkung beziehungsweise arabisches Halbblut (Gidran und Shagya) zur Veredelung neben Englischem Vollblut verwendet wurde. Durch die Tatsache, dass es sich um eine Kombination Radautzer Stämme handelt schlagen wir analog zum Trakehener den Namen Radautzer vor. Diese Gepflogenheit wurde auch nach dem Zerfall der Donaumonarchie im unterschiedlichen Ausmaß in den Nachfolgestaaten Österreich und Tschechoslowakei praktiziert und wird bis heute beibehalten. Darüberhinaus kam es in beiden Nachfolgestaaten punktuell auch zu einer Veredelung via Trakehener Blut, was, wenn man sich die Entstehung beider Pferderassen ansieht, am Typ nichts Wesentliches veränderte. Diesen Einfluß will man in Zukuft allerdings vermeiden. Um die Tatsache zu betonen, dass es sich beim Altösterreichischen Warmblutpferd um eine Kombination Radautzer Stämme handelt wurde analog zum Trakehener den Namen Radautzer vorgeschlagen.

[bearbeiten] Zuchtgeschichte

Geschichtlicher Überblick: Das altösterreichische Warmblut wurzelt in den Stutenfamilien des k.k. Staatsgestüt Radautz, welche auf primitiven, harten und anspruchslosen Landstuten basieren, die der Gründer des Gestütes Second Rittmeister Joseph Cavallar seit 1744 für das Gestüt vorwiegend in Moldau, Siebenbürgen und Bessarabien angeschafft hatte. Seit 1802 wurden zwei Siebenbürger Hengste des Stammes Barbarino verwendet, danach fanden zwei Arabische Vollbluthengste Hussain und Monaky Verwendung. Danach fanden vor allem Orientalische, Siebenbürgische, Russische und Karsterhengste Verwendung, sowie die orientalischen Hengste Siglavi, El Bedawi, Gidran und Shagya. Neben diesen orientalischen Hengsten wurden seit 1830 Noniushengste und seit 1847 Furiosohengste aus Mezöhegyeser Zucht verwendet. Die Pferdezucht in Mezöhegyes geht mütterlicherseits auf die Radautzer Stutenfamilie zurück, so daß man insofern von einer Rückführung Radautzer Blutes über diese Hengste sprechen kann. Schließlich nach dem Ausgleich 1867 endete der Einfluß Ungarischer Hengste, ab dieser Zeit endete die enge Beziehung zwischen den österreichischen und ungarischen Staatspferdezuchtanstalten, was zu einer Österreichischen und Ungarischen Ausprägung bei den einzelnen Stämmen führte. 1877 erstellte Dr. August Armbruster im Auftrag der Zentralpferdezuchtkommission in Wien einen neuen Zuchtplan für das Staatsgestüt Radautz, in dem die Stuten unter anderem in eine Orientalische und eine Englische geteilt worden sind. 1878 wurde die Radautzer Zucht Englisch durch die Zufuhr von 48 Stuten und 38 Fohlen aus Piber beeinflußt. Unter diesen Pferden befand sich der Hengst Przedswit I (von Przedswit xx aus der 54 Eclatante) der später einen berühmten Hengststamm begründete. Zu dieser Zeit hatte Radautz bereits 2 englische Stutenherden, die leichte, höher im Blut stehende (Przedswit) und die schwerere (Furioso), sowie 2 orientalische, die leichte (Shagya und Dahomann) und die schwere (Gidran). Die Aufteilung der Stutenherde in Englisch und Arabisch beeinflußte Pferde, sowie deren gezielte Anpaarung mit englischen beziehungsweise arabischen Hengste, führte zur Herausbildung der stammspezifischen Merkmale was letztendlich in der Entstehung der Stämme Furioso-Przedswit (= mittelschweres englisches Halbblut), Nonius (schweres englisches Halbblut), Shagya (= leichtes arabisches Halbblut) sowie Gidran (= schweres arabisches Halbblut) führte. Besonders hervorzuheben ist das in Radautz und in den Nachfolgezuchten verwendete Zuchtprinzip: Um die Merkmale eines bewährten Hauptbeschälers in der Nachkommen zu fixieren wurde vielfach auf diesen In- oder Anschluß gezüchtet. Das hatte zur Folge, daß die Namen der wichtigsten begründeten Hengste als Synonym für die entstandenen Stämme verwendet wurden. Mit diesem Zuchtprinzip konnte aus der Heterogenität der Stämme eine relativ schnelle Fixierung der gewünschten Merkmale erreicht werden. Die Triebkraft für die Entwicklung der Stämme, die sich in Radautz bereits seit Mitte des 19. Jahrhunderts abgezeichnet hat, ist in Ihrer unterschiedlichen Verwendung zu suchen: Shagya leichtes arabisches Kavalleriepferd, Gidran schweres arabisches Kavalleriepferd, Furioso-Przedswit mittelscheres englisches Halbblutpferd Reitfahrpferd, Nonius schweres englisches Halbblutpferd, Fahrreitpferd. (Anmerkung: Reitfahrpferd: Schwerpunkt der Verwendung liegt in der reiterlichen Verwendung, allerdings wurde immer auch auf die Verwendbarkeit als Fahrpferd geachtet. Fahrreitpferd: Schwerpunkt der Verwendung liegt in der Eignung zum Fahren, Reiteignung als Nebennutzung). Entwicklung nach dem Zusammenbruch der Donaumonarchie:

Nach der Evakuierung des Gestütes Radautz im August 1914 wurde die Gidran und Furioso-Przedswit Zucht in Wieselburg, später auch Waldhof in Niederösterreich aufgefangen.

Im Jahr 1919 wurde das Gidrangestüt in Bundesgestüt Wieselburg, Abteilung Rottenhaus mit Teilen der Radautzer Gidranherde begründet.. Teile dieser Herde wurden als Reparation den Tschechoslowakischen Gestüten Kladrub und Pohorelice und dem Polnischen Gestüt Janów Podlarski abgegeben. 1928 Wurde das Gidrangestüt nach Piber verlegt. In der Zwischenkriegszeit exportierte Österreich unter anderen in die Tschechoslowakei, nach Polen und nach Ungarn für die dortigen Zuchten altösterreichischer Warmblutpferde bedeutende Vatertiere, nämlich die beiden rechten Brüder Tschechoslowakischer Gidran III und Ungarischer Gidran III, sowie Gidran Motesice, und den burgenländischen Landesbeschäler 360 Gidran XXXIV-9, alle von Gidran XXXIV. 1932 wurde die staatliche Gidranzucht in Österreich aufgelöst und in die Kärntner und Burgenländische Landeszucht übergeben, jedoch Gestütsmäßig weitergeführt.

Ebenfalls 1919 wurde das Furioso-Przedswit Gestüt Wieselburg Abteilung Perwarth aus Radautzer und Piberer Pferden, die ebenfalls aus Radautz stammten errichtet. In der Zeit zwischen dem 1. und 2. Weltkrieg wurde die Mährische und Polnische Zucht des altösterreichischen Warmblutpferdes maßgeblich durch verschiedene Söhne von Przedswit VIII und Furioso XIII beeinflußt. 1932 wurde das Gestüt nach Piber verlegt. 1942 wurde Piber aufgelöst wobei ein Teil des Pferdebestandes in das Preußische Hauptgestüt Granditz und der andere Teil vorwiegend in die Burgenländische Landeszucht gelangte. 1945 gelangte die Noniuszucht des Grafen Eltz aus Vukovar Slawonien, welche die Stutenbasis für die für die Österreichische Zucht des altösterreichischen Warmblutpferdes nach dem 2. Weldtkrieg bildete. Mit der Rückkehr der Piberer Pepinierehengste Przedswit IX und Furioso XXIII entwickelte sich wieder eine Zucht altösterreichischer Warmblutpferde in Piber, die über Furioso XIII und vor allem über Przedswit XIII starken Einfluß auf die mährische, slowakische und polnische Zucht genommen hat. Przedswit XIII wirkte sowohl im slowakischen Staatsgestüt Motesice, wie auch Tschechischen Staatsgestüt Kladrub als Hauptbeschäler und einer seiner Söhne, Przedswit XIII-4 wurde im Polnischen Furioso-Przedswit Gestüt Stubno-Kalikow Hauptbeschäler und lieferte mehrere gekörte Söhne ,die in der Gestüts und Landeszucht tätig sind. Nach der Auflösung des Furioso-Przedswit Gestütes Piber 1981 gelangte ein Teil der Gestütsstuten in die Landeszucht, und die Hengste wurden im staatlichem Hengstdepot Stadl Paura untergebracht. Auf Initiative privater Züchter konnte eine kleine, aber wachsende Population mit diesen Hengsten auf der Basis burgenländischer Furioso-Przedswitstuten aufgebaut werden sowie Hengstmaterial aus Mährischer, Slowakischer und Polnischer Zucht, welches auf Österreichischen Zuchten basiert zugekauft werden. Um die Wichtigkeit des k.u.k. Staatsgestüts Radautz für die Entstehung der Rasse zu betonen wurde der Name „Radautzer“ analog zum „Trakehener“ vorgeschlagen, was ich generell für richtig halte.

[bearbeiten] Förderungen

Das Altösterreichische Warmblut wird im ÖPUL 2007 des Agrarumweltprogramms als „gefährdete“ Rasse gefördert.

[bearbeiten] Leistungsdaten

Merkmal männlich weiblich Widerristhöhe [cm] 165 - 175 160 - 170 Rohrbein [cm] 20 - 22 19 - 22

A)Phänotyp: Mittelgroßes edles Warmblutpferd im Rechteckformat mit harmonischen und proportionierten Körperpartien, für die Verwendung in den klassischen Disziplinen des Reit- und Gespannsports

B)ein leicht beherrschbares gutmütiges Pferd, spätreif, ausdauernd und langlebig mit raumgreifenden federnden Gängen, mit allseitiger Verwendung unter dem Sattel und im Gespann, fähig zu guten Leistungen in allen Disziplinen des klassischen Reit- und Gespannsports.

Der Kopf ist oft lang, dabei aber trocken mit meist ausdrucksvollen Augen und oft langen Ohren

C)Der Hals ist mittellang gut aufgesetzt mit genügend Ganaschenfreiheit und gebogener Oberlinie

D)Der Widerist ist gut ausgeprägt und lang

E)Die Schulter ist lang und schräge, was einen raumgreifenden Gang ermöglicht, die Brust ist tief und breit (große Gurttiefe)

F)Der Rücken ist breit, muskulös und gut geschlossen, die Lende ist kräftig

G) Die Kruppe ist schräg und sehr lang

H) Die Extremitäten sind mittellang, korrekt gewingelt, mit gut eingeschienten, trockenen Gelenken, klaren Sehnen und harten, zur Größe des Pferdes passenden, korrekt geformten Hufen.

I)Die Gänge sind raumgreifend, korrekt und elastisch

J)Dominierend sind Braune und Rappen, daneben auch alle anderen Farben möglich; meist wenige Abzeichen.

Eigenschaften: Ausgeglichener Charakter und Temperament, Arbeitswilligkeit und Verläßlichkeit, gute Konstitution und Gesundheit, Leichtfuttrigkeit, gute Fruchtbarkeit, Langlebigkeit und Spätreife, große Ausdauer und gute raumgreifende Galoppade.

[bearbeiten] Eignung und Haltung

Das gutmütige Reit- und Gespannpferd Verwendet wird das Altösterreichische Warmblut in den klassischen Disziplinen des Reit- und Gespannsports. Das leicht beherrschbare, gutmütige Pferd mit ausgeglichenem Charakter ist ausdauernd und langlebig. Die raumgreifenden, federnden Gänge (raumgreifende Galoppade) und die große Ausdauer ermöglichen eine allseitige Verwendung unter dem Sattel und im Gespann mit guten Leistungen in allen Disziplinen. Das Altösterreichische Warmblut ist arbeitswillig und verlässlich bei guter Konstitution und Gesundheit. Es handelt sich um ein leichtfüttriges Pferd mit guter Fruchtbarkeit und Spätreife.

[bearbeiten] Literatur

Haller, M. (2000): Seltene Haus- und Nutztierrassen. Leopold Stocker Verlag, Graz.

[bearbeiten] Weblinks

http://www.oengene.at/index.jsp?catId=63

http://www.pferdezucht-austria.at/main.asp?kat1=13&kat2=353&kat3=310&vid=1

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