Gämsfarbige Gebirgsziege

Aus Archepedia

Wechseln zu: Navigation, Suche
Gämsfarbige Gebirgsziege
Gaemsfarbige Gebirgsziege

Inhaltsverzeichnis

[bearbeiten] Rassestandard

Bildtitel

Die Gämsfarbige Gebirgsziege ist eine reh- bis kastanienbraune, mittel- bis großrahmige Ziege mit glattem anliegendem Fell. Typisch ist die schwarze Färbung am Rücken (Aalstrich), am Bauch, am Kopf, an der Schwanzunterseite, ein Schulterkreuz, das im Vergleich zur Pinzgauer Ziege nur schwach ausgebildet ist und die schwarzen Stiefel von den Sprunggelenken bzw. Vorderknien abwärts. Weiße Abzeichen sind nicht erlaubt. Es gibt sowohl behornte, als auch unbehornte Tiere. Manche Halter bevorzugen die hornlosen Ziegen, um Verletzungen bei Rangkämpfen vorzubeugen.


Körpermaße: Ziegen: 60 - 80 kg, Widerristhöhe: 70 - 80 cm Böcke: 80 - 100 kg, Widerristhöhe: 80 - 100 cm

Die Gämsfarbigen Gebirgsziegen zählen innerhalb der gefährdeten Rassen zu den leistungsfähigsten, in der Zucht am stärksten selektierten Ziegen. Das Zuchtziel umfasst eine robuste, fruchtbare, langlebige Ziege mit guter Eutergesundheit. Auf das Euter wird besonderes Augenmerk gelegt. Es soll breit ansitzend, rund, mit mittigen Zitzen, die das Euter in ein Vorder- und Schenkeleuter teilen, sein. Spalteuter sind unerwünscht ebenso dicke, lange Zitzen. Eine gute, maschinelle Melkbarkeit soll gegeben sein. Wichtig ist auch ein festes Beinwerk mit kräftigen Gelenken und festen Klauen, das ihr ein sicheres Fortkommen auch in extremen Gebirgslagen ermöglicht.

[bearbeiten] Verbreitung

Bildtitel

In Österreich ist die Gämsfarbige Gebirgsziege in Tirol (1750), Vorarlberg (470) und Oberösterreich (330) am häufigsten vertreten. Insgesamt sind etwas mehr als 3000 Tiere (davon 350 Böcke) im österreichischen Herdebuch erfasst. Somit zählt die Gämsfarbige Gebirgsziege zu den gefährdeten Rassen (über 1000).




[bearbeiten] Zuchtgeschichte

Bildtitel

Sie kann auf lokale Schläge in der Schweiz, die in Färbung und Zeichnung der heutigen Form entsprachen, zurückgeführt werden. Diese waren jedoch klein und gedrungen, sowie mit einem „Wilden Aussehen“ versehen und sollten noch die Spuren des frühesten Urstammes des urschweizerischen Ziegenschlages in sich tragen. Auch wird eine frühere züchterische Verbindung mit der exterieurähnlichen Deutschen Bunten Edelziege nicht ausgeschlossen.

[bearbeiten] Ähnliche Rassen

Bildtitel

Pinzgauer Ziege: Im Unterschied zur GGZ ist die Pinzgauer Ziege immer gehörnt und dunkler. Sie hat ein ausgeprägtes schwarzes Schulterkreuz und ein ganz schwarzes Gesicht. Das Fell ist etwas länger als bei der GGZ.

Bunte Deutsche Edelziege: Variiert stärker in den Brauntönen und kann im Gesicht helle Streifen, die vom Maul bis oberhalb der Augen verlaufen, aufweisen. Eine leistungsstarke Ziege, die in Deutschland rein gezüchtet wird, die aber bestimmt gemeinsame Vorfahren mit der Gämsfarbigen Gebirgsziege hat.

[bearbeiten] Förderungen

Bildtitel

Man kann im Rahmen des ÖPUL 2007 die Fördermaßnahme "Haltung und Aufzucht gefährdeter Rassen" beantragen. Die Gämsfarbige Gebirgsziege zählt zu den gefährdeten Rassen (und nicht zu den hochgefährdeten) daher erhält man die Basisförderung. Euro 30,- pro Mutterziege (bis spätestens 1. April des Antragsjahres gekitzelt) bzw. Euro 75,- pro Bock. Voraussetzung ist die Registrierung im Herdebuch und der tatsächliche Zuchteinsatz.


[bearbeiten] Leistungsdaten

Bildtitel

Fruchtbarkeit: 167 % (d.h. eine Ziege bekommt im Durchschnitt 1,67 Kitze) Erstlammalter: 10 Monate (frühestens, die Jungziege sollte bei der Erstbelegung etwa ein Gewicht von 35 kg haben)

Milchleistung: Milchkilogramm österreichweit: 796 bei 3,5 % Fett und 2,99 % Eiweiß

Hier ist der Unterschied zur Saanenziege mit durchschnittlich etwa 900 kg Leistung nicht mehr allzugroß. Laut Oberösterreichischem Ziegenzuchtverband soll es Spitzentiere mit weit über 1000 kg Jahresmilchleistung geben. Dazu muss erwähnt werden, dass solche Höchstleistungen nur bei intensiver Fütterung zu erreichen sind. Aber auch unter kargeren Bedingungen bringen die Gämsfärbigen Gebirgsziegen den Haltungsbedingungen entsprechende, gute Leistungen.

[bearbeiten] Wirtschaftlichkeit/Vermarktung

Bildtitel

Die Gämsfarbige Gebirgsziege wird sowohl von intensiven und extensiven Landwirten gehalten. Mit ihr ist eine wirtschaftliche Milchproduktion und aufgrund hoher Fruchtbarkeit, Frohwüchsigkeit und gutem Fleischansatz der Kitze auch eine wirtschaftliche Kitzvermarktung möglich. Zudem sind derzeit auch Zuchttiere gefragt, sodass ansprechende Preise bei entsprechender Qualität erzielt werden können. Diese erreicht man durch Beteiligung am Zuchtprogramm und Milchleistungsprüfung.


[bearbeiten] Erfahrungsberichte

Bildtitel

Wir halten neben der Gämsfarbigen Gebirgsziege auch Steirische Scheckenziegen. Die Ziegen werden gemolken und der Milchleistungskontrolle unterzogen. Die Milch wird zu Rohmilchkäse verarbeitet. Da alle erstmelkend sind und teilweise noch die Kitze dabei sind, kann ich noch keine Daten liefern. Jedoch kann man bereits einen Trend erkennen. Beide Ziegenrassen sind sehr milchbetont allerdings fällt auf, dass die Gämsfarbigen Ziegen bei gleicher Fütterung wie die Steirischen Schecken weniger an Substanz verlieren, runder sind. Beide zeichneten sich durch sehr hohe Fruchtbarkeit aus, sodass wir vorwiegend Zwillingsgeburten bei beiden Rassen verzeichnen konnten. Die Gämsfarbigen Ziegen weisen, was ihre Euter betrifft, ein einheitlicheres Bild auf. Es sind durchwegs breit angesetzte runde Euter mit kleinen Zitzen wogegen die Steirischen Schecken sowohl diese breiten als auch schmal aufgehängte, mehr oder weniger geteilte Euter mit längeren, breiteren Zitzen aufweisen, die dafür schneller gemolken werden können (besonders für des Handmelken interessant). Was die Milchleistung betrifft, erwarten wir ein homogeneres Ergebnis bei den Gämsfarbigen Ziegen.

Seit obigem Bericht sind drei Jahre vergangen. Die Erwartungen haben sich bestätigt, die Gämsfarbigen Ziegen haben eine recht ähnliche, über einen längeren Zeitraum konstantere Milchleistung im Vergleich zu den Scheckenziegen. Die Ziegen selbst sind großrahmiger und stärker bemuskelt als die Scheckenziegen. Die Milch wird nun vor der Verkäsung pasteurisiert. Da ich nur alle zwei Tage käse, hat sich das puncto Haltbarkeit und auch Geschmack bewährt. Rohmilchkäse soll nur aus ganz frischer Milch gemacht werden.

„Wir halten 40 Milchziegen auf unserem Bio-Betrieb für die Käseproduktion. Die Gämsfarbige Gebirgsziege ist klein- bis mittelrahmig, vital und langlebig.“ Stefan Lindner jun., Schörgerer-Bauer, Oberndorf in Tirol

[bearbeiten] Eignung und Haltung

Bildtitel

Die Gämsfarbige Ziege eignet sich sowohl für die intensive Haltung im Stall mit Auslauf als auch für die Weidehaltung. Bei der Weidehaltung muss besonderes Augenmerk auf ein gutes Weidenmanagement gelegt werden, um einen zu starken Parasitenbefall zu vermeiden. Besonders gefährdet sind Kitze und Jungziegen. Ältere Tiere entwickeln eine gewisse Resistenz. Dennoch ist es wichtig, häufig die Weideplätze zu wechseln, da eine Entwurmung während der Laktation aufgrund der Wartezeiten zu Produktionsausfällen führt. Bei rein landschaftspflegenden Ziegen ist das Parasitenproblem etwas leichter unter Kontrolle zu halten, erfordert aber dennoch eine genaue Beobachtung der Ziegen.

[bearbeiten] Gefährdung

Die Gämsfarbige Gebirgsziege kommt vorrangig in Österreich und der Schweiz vor. Größere Bestände gibt es in Vorarlberg, Tirol und Oberösterreich, seit etwa 20 Jahren wird intensiv an einer Erhaltungszucht gearbeitet. Der Bestand beläuft sich 2009 auf etwa 1.700 Herdebuchtiere. Die Gämsfärbige Gebirgsziege ist aufgrund der Bestandszahlen in der Rasseliste des ÖPUL 2007 des Agrarumweltprogramms als „gefährdete“ Ziegenrasse angeführt.

[bearbeiten] Literatur

"Die gefährdeten Nutztierrassen Österreichs", ÖNGENE, Dr. Franz Fischerleitner

Oberösterreichischer Ziegenzuchtverband, Herdebuch SchaZi, Stand: Mai 2009

[bearbeiten] Weblinks

http://www.oengene.at/index.jsp?catId=24

Persönliche Werkzeuge