Kaninchenrassen

Aus Archepedia

Wechseln zu: Navigation, Suche

Blaues Wienerkaninchen

Zuchtgeschichte: Das Blaue Wienerkaninchen zählt sicher nicht zu den als gefährdet geltenden Haustierrassen, aber von den vielen Kaninchenrassen, die weltweit von den Kleintierzüchtern gehalten werden, gelten nur das Blaue und das Weiße Wienerkaninchen als österreichische Kaninchenrassen.

Allgemein gilt Johann Konstantin Schultz, Beamter der K.u.K. Südbahn in Wien-Hetzendorf, als der Erzüchter des Blauen Wienerkaninchens. Er selbst berichtete (im „Kaninchenzüchter“, Leipzig 1/1895) über seine Ansicht: „Das leitende Motiv, das mich zur Schaffung dieser neuen Kaninchenart bewog, bestand darin, uns ein Kaninchen zu erzüchten, welches den besten seiner Art nicht nur in keiner Weise nachsteht, sondern zufolge seiner ergiebigen Fleischproduktion und seines schönen Felles einen doppelten wirtschaftlichen Wert bietet. Um meine Kaninchen herauszuzüchten, verwendete ich Belgische Riesen, Französische Halbwidder und Blaue Lothringer.“

Rassenbeschreibung nach ÖKZ: Der Körper leicht gestreckt, walzenförmig, vorne und hinten gleich breit, mit ebenmäßiger Rückenlinie, hinten gut abgerundet. Die Brust ist voll ausgeprägt, der Hals kurz, mit kräftigem Nacken. Das Normalgewicht des Blauen Wienerkaninchens beträgt 4,25kg. Das Fell ist mittellang, sehr dicht in der Unterwolle, mit guter gleichmäßiger Bespannung. Der Kopf ist kräftig, mit breiter Stirnpartie und Schnauze, sowie ausgeprägten Backen. Die Ohren sind gut aufgesetzt, fleischig und gut behaart. Die Deckfarbe ist ein kräftiges Mittel- bis Dunkelblau mit gutem Glanz. Die Augenfarbe ist blaugrau, die Krallen sind dunkel. Die Farbe ist am ganzen Körper ausgeglichen, wobei jedoch die Bauchfarbe etwas matter, glanzloser erscheint. Die Unterfarbe ist etwas heller als die Deckfarbe, sie soll rein und ebenfalls von satter Färbung bis zum Haarboden durchlaufend sein.

Leistung: Das Blaue Wienerkaninchen verdankt seine Verbreitung nicht zuletzt seinen hervorragenden Leistungseigenschaften Fruchtbarkeit, leichte Aufzucht, Frühreife, Genügsamkeit, Futterverwertung und Seuchenresistenz. Hinzu kommt das feine Knochengerüst, ein sehr reichlicher Fleischansatz und deshalb eine außergewöhnliche Schlachtausbeute, sowie die vorzügliche Fellqualität. Jahrzehntelang galt das Blaue Wienerkaninchen als der Idealtyp der Wirtschaftsrasse. Die Zucht auf Leistung wird in den kommenden Jahren immer mehr zu beachten sein. Durch die Zucht allein auf Schönheit vernachlässigen wir konstant die Leistung, wir betreiben negative Auslese. Die Leistung des Wildkaninchens übertrifft jene der Rassekaninchen beträchtlich. So wirft eine Wildhäsin je Jahr fünf- bis sechs Mal zehn bis zwölf Jungtiere und besorgt die Aufzucht mit aller Selbstverständlichkeit – und dies unter dem Stress der freien Wildbahn! Unseren Rassekaninchen aber mutet man nicht mehr als zwei Würfe je Jahr zu, glaubt vielfach, Würfe von sechs bis acht Jungtieren seien bemerkenswert, obwohl die Haustiere allgemein eine größere Fruchtbarkeitsrate aufzuweisen haben als die Wildformen. Auch befürwortet man in der Zucht gerne lange Säugezeiten, die in der freien Natur undenkbar sind. Gerade diese Praktiken der Rassezucht beweisen den Leistungsschwund unserer Rassekaninchen. Heute muss Rassezucht mehr als bisher auch Leistungszucht sein. Auch wenn die Schönheit einer Rasse oberstes Zuchtziel ist, so muss die Leistung gleichrangig sein, denn nur durch sie ist der Bestand jener einzelnen Rasse gesichert. Was nützt eines Tages das schönste, das Idealtier, wenn es nicht oder kaum mehr in der Lage ist, sich fortzupflanzen.

Zuchtziel: Bei weitgehender Einhaltung der Rassenbeschreibung sollten nach unserer Ansicht die wirtschaftlichen Werte mehr betont werden. Es wäre wünschenswert, wenn die Rasse ihren einstigen wirtschaftlichen Stellenwert wieder einnehmen würde.


Weiße Wienerkaninchen

Das Weiße Wienerkaninchen ist reinweiß mit blauen Augen. Es ist kein Albino, sondern ein leuzistisches (farbloses) Tier. Die Defekt-Mutation führt dazu, dass die Haut keine farbstoffbildende Zellen enthält und dadurch das Fell weiß und die darunterliegende Haut rosa ist. Der österreichische Eisenbahnbeamte Wilhelm Mucke aus Wien gilt als Herauszüchter der Rasse. Das Weiße Wiener Kaninchen wurde 1907 erstmals auf einer Ausstellung präsentiert. Angestrebt wurde eine mittelgroße Rasse in Anlehnung an den Blauen Wiener durch Kreuzung von Holländerkaninchen mit Weißen Riesen und Weißen Widderkaninchen. Zur Zeit des Nationalsozialismus wurde die Rasse besonders gefördert und als Wirtschaftsrasse offiziell anerkannt, in weiterer Folge jedoch vom Weißen Neuseeländer zusehens in den Hintergrund gedrängt. Beim Weißen Wiener ist man bestrebt, die Rasse als etwas leichteren und feingliederigen Typ gegenüber dem Weißen Neuseeländer zu erhalten. Der Bestand beider Rassen wird als nicht gefährdet eingestuft. Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden die Rassen nach Deutschland exportiert, und vor allem der weiße Wiener erfreut sich auch heute noch großer Beliebtheit unter den Kleintierzüchtern.

Persönliche Werkzeuge